Leserbriefe zum Artikel

"Kindergärten City kündigt Betreuungsvertrag eines Kindes mit Trisomie21"


 

Katrin Wittig-Mama von Aila schrieb am 09.12.2008 um 10:10

Ich habe mich aus dem Thema bewußt herausgehalten, will jetzt aber doch mal einen Kommentar schreiben. Aila (bekanntlich ja auch mit DS) hat die gleiche Kita in den letzten 4 Jahren besucht. Aila und Lukas sind ungefähr gleichaltrig, wir haben Aila aber dieses Jahr eingeschult und nicht zurückstellen lassen.

 

Ich selbst war 3 Jahre mehr als zufrieden mit dem Kindergarten und habe Aila selbst nach einem Umzug und versuchsweiser Umsetzung in eine andere Kita wieder dorthin zurück "gesetzt". Sie hat sich immer wohl gefühlt und war gut integriert. Sie hatte sowohl Freund mit als auch ohne Behinderung. Dies haben die Erzieher der Soki Petersallee unterstützt. Von einer Aussonderung oder ähnlichem kann nicht die Rede sein. Man muß dazu sagen, daß in der Kita eben nicht nur "leichte" Integrationskinder integriert werden, sondern auch Kinder, die schwerst mehrfachbehindert sind.



Leider kann auch die beste Kita nicht standhalten, wenn sie - wie hier geschehen - in einen extremen Personalengpass gerät. Es sind im letzten Jahr 3 Vollzeit-Erzieherinnen krank oder schwanger geworden, die nicht adäquat ersetzt wurden, darunter auch die Vollzeit-Erzieherin, die für Aila und Lukas sowie 3 weitere Kinder mit Behinderung (darunter eben auch 2 schwerst mehrfachbehinderte Kinder) zuständig war. Ersatz konnte nicht eingestellt werden, weil laut Berliner Kitagesetz (oder ähnliches), eine Erzieherin erst ersetzt werden kann, wenn sie länger als 6 Monate (!) krank ist.
Abhilfe wurde versucht zu schaffen, indem Erzieherinnen aus umliegenden Kitas Wochenweise die Betreuung übernommen haben. Das dies nicht besonders hilfreich ist, kann sicher jeder von uns nachvollziehen.

Ich war selbst im letzten Kita extrem genervt von der Situation, insbesondere fiel das sehr engagierte Vorschulprogramm der Kita ab November komplett der Personalsituation zum Opfer, was für ich für Aila unheimlich ärgerlich fand.

Nach langem Hauen und Stechen hat das Bezirksamt dann zum Ende des Kitajahres 2 Erzieherinnen über Zeitarbeitsverträge eingestellt (was so vorher noch nie gemacht wurde), um der Situation irgendwie Herr zu werden.

Die ganze Diskussion hat dann dazu geführt, daß in der Kita (meines Wissens auf Druck des Bezirksamtes), die Sondergruppe aufgelöst wurde und auch in eine integrative Gruppe umgewandelt wurde. 3 weitere integrative Gruppen gab es in der Kita sowieso schon.

Soweit zum Hintergrund der Geschichte. Wie man darauf reagiert, ist immer natürlich auch eine Sache der Persönlichkeit. Ich selbst war einfach nur froh, daß Aila jetzt den nächsten Schritt machen konnte, noch so ein Jahr hätte uns eben nicht weiter gebracht.

Liebe Grüße Katrin mit Aila (6)

Marion Bröker schrieb am 08.12.2008 um 22:20
Wie kann es sein, dass alle Staaten um uns herum so viel besser fördern können, weil dort die Aussonderung begründet werden muß und die Normalität Regelfall ist. Wie kann es sein, dass eine besondere Förderung nur in besonderen Örtlichkeiten, zu denen besondere Busse zu besonderen Betreuern in eine besonders beschützte Atmosphäre stattfinden kann. Warum wird hier nicht die UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen angewandt. Warum wird erwartet, dass sich dieses Kind den Gegenheiten der KiTa anpaßt und nicht die KiTa auf die Anforderungen des Kindes eingeht? Später muß das Kind den Anforderungen der Schule entsprechen, nicht die Schule muß sich bemühen, jedes Kind aufzufangen und zu fördern. Wie verkehrt ist eine Welt, die so argumentieren darf, ein Kind abweisen darf, nur weil es nicht in das Normmaß paßt?

Überdenken Sie mal diesen Schritt und Ihre Entscheidung, der Beauftragte der UN, Herr Munez, würde diese als Menschenrechtsverletzung bezeichnen.

Marion Bröker

 

   

Gegendarstellung


In Absatz 3 der unter http://www.3mal21gleich-down-syndrom.de/index.php?option=com_content&view=article&id=117:pm-vom-12112008&catid=57:2008&Itemid=103 abrufbaren Mitteilung behaupten Sie, der Grund
für die Kündigung des Kita-Platzes eines Mitglieds Ihrer Selbsthilfegruppe läge darin,

Weiterlesen: Gegendarstellung von Kindergärten City - Eigenbetrieb von Berlin

   

Eine Mutter erzählt

Kein Recht auf Alltag für Behinderte

Die UN-Konvention für Behinderte wird ratifiziert. Eine Mutter erzählt, was Schule mit ihrem behinderten Sohn macht. VON MAGDALENA FEDERLIN AUS AICHACH

Beim Sportverein durfte Magdalena Federlins Sohn nicht mitmachen. Nur im Skiverein hatte er Glück und fuhr sogar Rennen.    Foto: dpa

Mein Sohn wurde per Beschluss des Verwaltungsgerichts vom Unterricht einer normalen Schule ausgeschlossen. Als Mutter eines mit staatlichem Zwang ausgesonderten Kindes erlaube ich mir, zu beschreiben, wie sich so etwas anfühlt: Mit knapp zwei Jahren wird durch Untersuchungen festgestellt: dein drittes Kind hat ein schwach ausgeprägtes Down-Syndrom. Von diesem Moment an musst du erleben, wie dieses Kind benachteiligt und ausgegrenzt wird.

Weiterlesen: TAZ vom 25.11.2008

   

Kindergärten City kündigt Betreuungsvertrag eines Kindes mit Trisomie21

Wissenschaft, Forschung, Bildung
Pressemitteilung von: Selbsthilfegruppe 3mal21=Down-Syndrom Reinickendorf

 

Kind und Vater der SHG 3mal21
Kind und Vater der SHG 3mal21
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12.11.2008

(openPR) - SelbstHilfeGruppe deckt auf!

Aktuell empfiehlt die Risikoberatungsstelle des Gesundheitsamtes in Berlin-Mitte Eltern von Kindern mit Trisomie21 im Wedding, die ehemalige Sonderkita in der Petersallee 29 als beste Wahl einer Integrationskita für diese Kinder im Bezirk.

Der Träger dieser Integrationskita ist Kindergärten City, ein Eigenbetrieb des Landes Berlin.

 

Im Sommer war in den Medien zu lesen, dass allein in den 59 Einrichtungen von Kindergärten City Eltern zum Stichtag 31.12.2007 Schulden in Höhe von 798.000€ wegen nicht ordnungsgemäß gezahlter Beiträge hatten. Die Geschäftsführerin des Eigenbetriebes, Frau Susanne Kabitz, wies darauf hin, dass noch kein Kind aus einem Kita verwiesen wurde, weil die Eltern die Beiträge nicht gezahlt hatten.


Im Mai 2008 hat Kindergärten City den Betreuungsvertrag eines Kindes aus unserer Selbsthilfegruppe vorzeitig zum 31.07.2008 gekündigt!

Hatten die Eltern Beitragsrückstände? Nein!
Warum dann eine Kündigung? Die Eltern haben nur ein Kind mit Trisomie21, für das sie einen Bescheid zum Ruhen der Schulpflicht für ein Jahr (bis 2009) im März 2008 erwirkt hatten.

Die betroffenen Eltern hatten auf Empfehlung der Risikoberatungsstelle im Wedding ihr Kind im Jahr 2005 in die Obhut der damaligen kommunalen Kita in der Petersallee 29 gegeben. Die heutige Integrationskita und angeblich beste Wahl räumte ein, dass es in ihnen im Verlauf der vergangenen Jahre nicht gelungen ist, das Kind im geeignetem Maße auf das Leben vorzubereiten.

Im Sommer 2007 wurde das Kind von der Kitaleitung als schulfähig befunden. Die für die Kita zuständige Ärztin der Risikoberatungsstelle hatte den Eltern mitgeteilt, dass ihr Kind in die Schule gehen muss, da es keine Rückstellungen mehr gibt.

Im Rahmen der schulärztlichen Untersuchung hat die Ärztin ohne Schweigepflichtentbindungen der Eltern die Kitaleiterin und die Ärztin der Risikoberatungsstelle über den Antrag zum Ruhen der Schulpflicht für ein Jahr informiert. Die Kitaleitung verwies die Schulärztin darauf, dass das Kind über den 31.07.2008 hinaus nicht mehr entsprechend gefördert werden könne.

Im Sommer 2008 wurde die Kita in der Petersallee 29 vom Träger umstrukturiert. Die Gruppe mit fünf geistig- und körperbehinderten Kindern, der das Kind aus unserer Selbsthilfegruppe zugeordnet war, wurde aufgelöst. Dafür sollte eine neue Gruppe mit 13 Kindern (anteilig nur noch 2 behinderte Kinder) aufgebaut werden.

Das behinderte Kind passte nicht mehr in das Kita-Konzept des Trägers!!!