31.01.2016 Thüringische Landeszeitung

Raphael hat eine Behinderung: das Down-Syndrom

Etwas anders und doch ganz normal: Raphael, 13 Jahre, wohnt in Berlin. Er sieht anders aus als gesunde Kinder, ihm fallen bestimmte Sachen schwer. Schuld daran ist seine Behinderung.

 

Raphael und seine Mutter Claudia Schirocki leben in Berlin. Raphael ist sehr gefühlvoll. Foto: Alexandra Stober
Raphael und seine Mutter Claudia Schirocki leben in Berlin. Raphael ist sehr gefühlvoll. Foto: Alexandra Stober

Berlin. „Haaallooo!“, ruft Raphael von Weitem und winkt. Er rennt ins Haus und die Treppen hoch, in den zweiten Stock. Dort klingelt er an der Wohnungstür. Sein Vater öffnet und begrüßt den 13-Jährigen. Doch Raphael hat es eilig: Er muss schnell ins Bad. Seine Mutter Claudia ist inzwischen auch in der Wohnung angekommen. Sie hat ihren Sohn von der Schule abgeholt. Allein würde Raphael den Weg mit U-Bahn und Bus nicht schaffen. Manche Dinge, die andere in seinem Alter gut hinbekommen, sind für ihn schwierig. Das liegt daran, dass der Junge aus Berlin eine Behinderung hat. Er hat das Down-Syndrom (gesprochen: Daun Sündrom). Trotzdem geht er in eine normale Schule mit Kindern ohne Behinderung. „Den anderen in seiner Klasse erkläre ich das so: Raphael begreift Sachen langsamer. Aber er kann eigentlich auch alles lernen“, sagt seine Mama.Gerade übt er zum Beispiel, allein zur Schule zu fahren. Dabei begleitet ihn sein Betreuer Martin. „Dreimal in der Woche kommt Martin und holt Raphael ab“, erklärt seine Mutter. Manchmal geht Martin mit Raphael auch einfach ins Jugendzentrum in der Nähe. „Da spiele ich Tischtennis. Und da gibt es Disco!“, sagt Raphael und strahlt. Er liebt Musik und tanzt gern. Auch sonst steht Raphael auf Sachen, die andere 13-Jährige ebenfalls gut finden: Er geht gern ins Kino und spielt Fußball. Es gibt aber Sachen, die bei Raphael anders sind als bei vielen anderen Kindern in seinem Alter. Er kuschelt zum Beispiel gern mit seiner Mama. Er küsst und umarmt sie häufig. „Raphael ist sehr gefühlvoll. Er merkt es sofort, wenn man traurig ist“, sagt seine Mutter. Das Down-Syndrom ist nach seinem Entdecker benannt, dem Arzt John Langdon Down aus Großbritannien. Vor 150 Jahren erkannte er: Es gibt Menschen, die bestimmte auffällige Merkmale haben. „Typisch für Menschen mit dem Down-Syndrom sind zum Beispiel mandelförmige Augen, ein breiter Nasen-Rücken und eine große Zunge“, erklärt Kinderärztin Sabine Reiners. Außerdem sind ihre Muskeln nicht so stark. „Das fällt schon bei den Babys auf“ Menschen mit dem Down-Syndrom haben ein winziges Teilchen im Körper zu viel. Genauer gesagt: das Chromosom mit der Nummer 21. Chromosomen stecken in unseren Körper-Zellen. Sie enthalten den Bauplan für unseren Körper, zum Beispiel für die Farbe der Augen.

Alexandra Stober, Kindernachrichten 31.01.16 TLZ